Minolta SR an Nikon F


Eine Bestandsaufnahme

Minolta an Nikon?

Ich finde alte, manuelle Objektive faszinierend -  Solide analoge Technik, Mechanik, die man auch selber warten und reparieren kann, und eine Haptik, Material- und Verarbeitungsqualität, die es heute eigentlich gar nicht mehr gibt.

Sowohl aus dem Nachlass meines Vaters, als auch aus einer Schenkung hat sich mit der Zeit eine doch sehr ansehnliche analoge Minoltaausrüstung aus den 70er und frühen 80er Jahren angesammelt. Grund genug sich mit der Sinnhaftigkeit der Kombination meiner Minoltalinsen mit Nikon Kameras auseinanderzusetzen.

Das F-Bajonett von Nikon blieb im Grundaufbau seit 1959 unverändert. Auch mit der Einführung elektronischer Informationsübertragung und Autofokus wurde der Anschluss nicht abgelöst - Dies bringt eine unvergleichliche Objektivauswahl für analoge und digitale Spiegelreflex-Nikons mit sich - natürlich immer unter Berücksichtigung möglicher Einschränkungen bei „nicht konvertierten", "Pre-AI" Objektiven. 

Minolta XE-1 (1974 - 1977) mit Minolta MC Rokkor 85mm f1.7

Das Minolta SR-Bajonett hat seinen Ursprung 1958, und somit sogar noch etwas vor dem Nikon F-Bajonett. Die bei Minolta Objektiven zu findenden Bezeichnungen MC bzw. MD geben anders als oft behauptet nur Aufschluss über die Objektivgeneration, beim tatsächlichen Anschluss handelt es sich stets um das SR-Bajonett. Bei den neueren MD-Objektiven wird der eingestellten Blendenwert an die Kamera übermittelt, bei MC-Objektiven ist dies nicht der Fall.


Anders als bei Nikon wurde das Bajonett mit der Einführung des Autofokus abgelöst. Der Nachfolger war ab 1985 das Minolta A-Bajonett, das nach Übernahme der Kamerasparte durch Sony weitergenutzt wurde.

Geht es darum unterschiedliche Systeme miteinander zu kombinieren, wird man rasch auf den Begriff des Auflagemaßes stoßen: Als Auflagemaß wird in der Kameratechnik die Distanz zwischen der Bildebene (Sensor, Film) und der Befestigungsfläche des Objektivs verstanden. Das Nikon-F-Bajonett hat ein relativ langes Auflagemaß von 46,50 mm, das Minolta-SR-Bajonett eines von 43,50 mm - Eine Adaptierung ist daher mit dem Einsatz eines optischen Korrekturelements oder mit Einschränkungen bei der Unendlichkeitsfokussierung verbunden. Wäre es umgekehrt, sprich wäre das Objektiv auf ein größeres Auflagemaß als jenes der Kamera gerechnet, würden sich diese Einschränkungen nicht ergeben - Dies konnte ich aber bisher selber nicht testen, da ich kein weiteres System zur Verfügung habe.

Im Allgemeinen ist festzustellen, dass sich zur Kombination unterschiedlicher Systeme eine Vielzahl von Adaptern finden: Von günstigen No-Name Produkten, bis hin zu hochwertigen und teuren Adaptern von Novoflex.

Adapter zum Ansetzen von Objektiven anderer Systeme an das Nikon F-Bajonett sind viel weniger zahlreich - ein Indiz dafür, dass es hier wenig bis gar keine Nachfrage gibt - Vermutlich bedingt durch die abweichenden Auflagemaße, bzw. das im Vergleich zu anderen Systemen langen Auflagemaßes des Nikon Systems. Auf Amazon finden sich ein paar Angebote von Adaptern mit optischem Korrekturelement, noch weniger Angebote rein mechanischer Adapterringe ohne Linse.

Ein Adapter mit Glaselement schlägt mit rund EUR 50,--, ein Adapter ohne Glaselement mit rund EUR 15,-- zu Buche. Wenn man bedenkt was Fotoequipment sonst kostet, ein Anlass seine Erwartungen doch eher gering zu halten. Der Adapter mit Korrekturlinse trägt das Label „Gobe“ (mittlerweile „Urth“), bei jenem ohne Glaselement war als Hersteller bei Amazon „Exliy“ angeführt.

Beide Adapter sind voll aus Aluminiumlegierungen hergestellt. Insgesamt wirkt der Adapter von Gobe aber wesentlich wertiger. Dieser Eindruck bestätigt sich auch beim Ansetzen an Objektiv und Kamera. Auf der Kameraseite rastet der Gobe-Adapter in gleicher Weise ein, wie man das von einem originären Objektiv oder Telekonverter gewohnt ist. Selbiges gilt auf Objektivseite. Auch der Verriegelungsmechanismus wirkt wertig.

Beim Adapterring von Exliy zeigen sich einige Schwächen. Der Verriegelungsmechanismus wirkt viel weniger wertig. Beim Ansetzen an die Kamera rastet der Adapter zwar gut ein, bei Abnahme hakt es aber spürbar. Montage und Abnahme am Objektiv ist etwas schwergängig. Auch hakt es hier deutlich. Wenn man dies bedenkt und vorsichtig vorgeht, geht es aber.

Um die haklige Verriegelung zu beheben habe ich den Adapter zerlegt und den Mechanismus vorsichtig und mehr als sparsam gefettet. Leider musste ich beim Zerlegen feststellen, dass bereits im Neuzustand eine Schraube so abgewetzt war, dass sie kaum mehr lösbar war. Ich musste die Schraube austauschen. Insgesamt war aber die Überholung erfolgreich. Der Verschlussmechanismus zeigt sich nun deutlich geschmeidiger.

Was noch zu beachten ist: Das Nikon-F-Bajonett ist linksdrehend, das Minolta SR-Bajonett rechtsdrehend zu verriegeln, sprich, Adapter ist gegen, Objektiv im Uhrzeigersinn zu montieren.

Bei beiden Adaptern findet zwischen Objektiv und Kamera keinerlei Informationsübertragung, weder mechanischer, und noch viel weniger elektronischer Natur statt. Die Blende wird ausschließlich am Objektiv eingestellt. Auch Springblende und Offenblendenmessung stehen anders als bei den analogen Nikonobjektiven nicht zur Verfügung.

Der Gobe-Adapter (mit Korrekturlinse)

Bei Verwendung des Gobe-Adapters ist eine manuelle Fokussierung im Nah- und Fernbereich problemlos möglich. Auch die interne Fokussierhilfe der Nikon Kamera ist nutzbar.

Zum Vergleich habe ich eine 85 mm Nikkor f/1.8 Festbrennweite und eine 85 mm Rokkor f/1.7 Festbrennweite mit Adapter gegenübergestellt. Mit dem Adapter ergibt sich eine Brennweitenverlängerung ungefähr um den Faktor 1,2.

Bei der Bildqualität darf man sich allerdings nicht zu viel erwarten. Die Bilder wirken schwammig und mit einer Art Schleier bedeckt. Ich würde sagen: Sucht man solche Effekte aus künstlerischer Sicht, oder möchte man nur damit herumspielen ist es total ok.

Erwartet man scharfe, kontrastreiche Bilder oder würde man Geld für zu adaptierende Rokkor-Objektive ausgeben müssen, würde ich eher abraten und stattdessen in Vintage-Nikkore investieren.

Der Exily-Adapter (ohne Korrekturlinse)

Der Exily-Adapter kommt ohne optisches Element aus, es handelt sich also lediglich um einen Ring, dessen eine Seite dem SR-, dessen andere Seite dem F-Bajonett entspricht.

Das durch das Objektiv einfallende Licht wird also ohne weiteres Glaselement an die Kamera weitergegeben. Die oben beschriebenen Einschränkungen, bedingt durch die Korrekturlinse gibt es hier also nicht - Klingt nach der idealen Lösung die optische Leistung eines Vintage-Minolta-Objektivs zu nutzen - wenn da nicht die unterschiedlichen Auflagemaße wären. Im Nahbereich, wenn auch etwas eingeschränkt lässt sich ganz gut fokussieren, Im Fernbereich, hin zu Unendlich hat man aber keine Chance mehr scharf zu stellen.

Mein Fazit

Würde man tatsächlich Geld für alte Minolta-Objektive ausgeben um sie auf Nikon SLRs zu adaptieren, würde ich abraten. Zu eingeschränkt sind die Möglichkeiten. In diesem Fall würde ich eher in altes Nikon-Glas investieren - Hier sollte es ab AI-Standard absolut keine Probleme geben.

Bekommt man alte Minolta-SR-Linsen mit geringem oder ohne finanziellem Aufwand ist die Anschaffung eines Adapters eine nette Spielerei, aus meiner Sicht aber auch nicht mehr.

Ein Blick über den Tellerrand - Disclaimer: Ich habe bis dato kein spiegelloses System, die folgenden Zeilen sind daher nicht als Testbericht, sondern als Zusammenfassung meiner Recherche zum Thema zu verstehen.

Mit der Einführung der spiegellosen Systeme stellt sich die Frage der Kombination von Kamera und Objektiv unterschiedlicher Systeme erneut. Das spiegellose Nikon-Z-System kommt mit einem geringen Auflagemaß von nur 16 Millimetern, eine gute Basis also fremde Objektive zu adaptieren.

Links zum Thema

Ken Rockwell: Adapt any Lens to Nikon Z: https://youtu.be/i_ISTbm7oos
Minolta SR, MC, MD: www.artaphot.ch/minolta-sr